1992er Corsa A

Ursprünglich sollte die Wintersaison 2001 die Abschlussvorstellung für diesen Corsa A sein. Danach wäre der TÜV abgelaufen und er wäre durch einen anderen Gebrauchten mit Charme ersetzt worden. Dass er zehn Jahre später immer noch unter den Lebenden weilt, verdankt der kleine Opel einer spontanen Laune seines Besitzers Manuel Böttcher und dessen Bekannten, dem Lackierer Horst Wiese. Die beiden Schleswig-Holsteiner hauchten dem damals arg lädierten Corsa in stundenverzehrender Feinarbeit neues Leben ein!

Erstes Auto: Opel Corsa A

Die Erinnerungen an das erste eigene Auto sind von ganz besonderer Natur. Ganz gleich, ob ungeliebte Rostlaube oder Traumwagen, eine gewisse Melancholie schwingt beim Gedanken an die Anfänge der jugendlichen Mobilität immer mit. So auch im Fall von Manuel Böttcher. Der Schleswig-Holsteiner startete nach bestandener Fahrprüfung in einem Corsa A durch. Danach wechselte er kurzzeitig hinter das Volant eines Ford Escort. Wirklich glücklich war er mit dieser Wahl jedoch nicht. “Der Opel hatte einfach mehr Charisma“, begründet Manuel. Kein Wunder, dass er den Ford angesichts dieser Auffassung recht schnell zugunsten eines Corsa verkauft hat.

Dessen Beschaffung stellte angesichts eines nahezu uneingeschränkten Kriterienkataloges kein Problem dar. Manuel gibt sich genügsam: “Solange der Motor läuft und die Technik in einem annehmbaren Zustand ist, bin ich zufrieden!“ Kein Wunder, dass sich der Beringstedter nicht an dem einst verlotterten Zustand seines zuvor als Lieferwagen eingesetzten Corsa A gestört hat. Als er den Opel im Spätherbst 2001 beim Autohändler um die Ecke entdeckt hatte, war dessen Lack stumpf, die Karosserie von Rost übersät und die Innenausstattung herunter geritten. “Dafür hatte die Maschine erst 150.000 Kilometer auf der Uhr und lief einwandfrei“, wiegt Böttcher ab, “zudem hatte der Corsa noch ein volles Jahr Rest-TÜV und kostete nur 350 Euro, was will man mehr?“ Diesem Rechenmodell ist nichts entgegen zu setzen. 350 Euro für 365 Tage Corsa machen unter dem Strich einen Euro und vier Cent pro Tag.

Umfassende Beauty-OP für Manuels Opel

Dass dieses Rechenexempel nicht wirklich aufgegangen ist, liegt nicht zuletzt daran, dass aus dem einst definierten Zeitfenster von zwölf Monaten inzwischen zehn Jahre geworden sind. Diese Lebenszeitverlängerung verdankt der Corsa einer Bier-Laune seines Besitzers und dessen guten Bekannten Horst Wiese. Der gelernte Lackierer schlug Manuel kurz vor dem Ablauf der TÜV-Plakette vor, den Opel einer umfassenden Beauty-OP zu unterziehen. Keine einfache Aufgabe, angesichts seiner zuvor erwähnten Konstitution. “Nennen wir das Kind ruhig beim Namen“, grinst Manuel, “der Kleine war eine totale Rostlaube! Abgesehen davon, das sowohl der Innenraum, als auch der Lack bessere Tage gesehen haben, bestand die Karosserie zu gefühlten 90 Prozent aus Rost.“

An diesem Punkt galt es anzusetzen. Der Corsa wurde zunächst komplett zerlegt, um ihn vom Metall-Fraß zu befreien. Kein einfaches Unterfangen, wie Böttcher bestätigt. “Nachdem wir ihn auseinander genommen hatten, kam das wahre Elend zum Vorschein. Sowohl der Unterboden, als auch die Türen und die Hauben waren vom Rost zerfressen. Manuel und Horst hatten folglich nur eine Möglichkeit: Sie mussten die Basis einer umfassenden Frischzellen-Kur unterziehen. Zuerst wurde der Unterboden mit zahlreichen Reparaturblechen aufgebaut. Danach folgten neue Türen, eine neue Heckklappe sowie eine neue Motorhaube, wobei sich der Begriff 'neu' auf gebrauchte Teile aus anderen, ausgeschlachteten Corsa A bezieht. “Genau genommen sind für diesen Wagen drei andere Autos gestorben“, resümiert Manuel mit leicht ironischem Unterton.

Corsa-Farbe wechselte von Schwarz zu Violett mit silbernen Highlights


Nachdem das Fundament einen annehmbaren Zustand erreicht hatte, erhielt die Karosserie ein dezentes Lifting. Manuel beabsichtigte, die ursprünglichen 13-Zoll-Räder gegen üppigere 15-Zöller zu tauschen, also mussten die Radhäuser nachhaltig angepasst werden. Hierzu wurden die vorderen und hinteren Kotflügel um jeweils rund fünf beziehungsweise sieben Zentimeter pro Seite verbreitert. Danach wurde die Heckklappe von der Nummernschild-Einbuchtung befreit. Letztere wanderte in den revidierten hinteren Stoßfänger.

Abschließend erhielt der Corsa einen neuen Farbüberzug. Da Manuel das ursprüngliche Schwarz seines Boliden zu langweilig fand, entschied er sich für eine etwas lebhaftere Kolorierung in auffälligem Violett mit silbernen Highlights. Angefangen im Motorraum, erstreckt sich der silberne Glanz aus der BMW-Farbpalette über die linke vordere Fahrzeugflanke und die rechte hintere Seite. Dazwischen erstrahlt der Corsa in einem auffälligen Violett-Ton aus dem Mercedes-Malkasten. Letzterer ziert unter anderem auch die nachträglich verbauten Zender-Heckspoiler an der Dachkante und am Rahmen der Heckscheibe sowie die ebenfalls in Wagenfarbe lackierten Außenspiegel und die Türgriffe.

Mit 92er Corsa ungewollte Aufmerksamkeit der Ordnungshüter


Nach dem Update der Außenhaut stand die Überholung des Fahrwerks auf dem Programm. Anstelle des eher schwammig ausgelegten Serienfahrwerks, installierte Böttcher ein knackiges KW-Gewindefahrwerk. Dessen Karosserieabsenkung beziffert der Schleswig-Holsteiner vorsichtig auf 60 Millimeter. “Es geht auch tiefer“, merkt er zurückhaltend an, “100 Millimeter sind locker drin. Das sieht echt klasse aus, kann aber in der Kostenfalle enden.“ Die Rede ist von einer eher unliebsamen Begegnung mit den nordischen Ordnungshütern, an deren Ende die Stilllegung des Corsa stand. Grund: Sowohl das Fahrwerk, als auch diverse andere Gimmicks waren nicht vom TÜV abgesegnet worden. So stießen die Verkehrswächter unter anderem auf eine bis dato ebenfalls nicht legitimierte Irmscher-GSi-Maschine mit knackigen 136 PS sowie eine geänderte Bremsanlage und diverse andere Kleinigkeiten.

Letztlich musste Manuel stattliche 600 Euro berappen, um den polizeilich stillgelegten Corsa wieder an den Start, beziehungsweise zurück auf die Straße, zu bringen. “Seit diesem Tag lasse ich alle Änderungen eintragen“, gibt er sich geläutert, “derartige Vergünstigungen brauche ich kein zweites Mal.“ Ein leicht nachvollziehbarer Standpunkt, erst recht vor dem Hintergrund, dass Böttcher nach eigenen Angaben gut und gerne einmal wöchentlich zwecks allgemeiner Verkehrskontrolle angehalten wird. “Nur gut, dass ich den Satz Brock-B5-Felgen der Dimension 7 und 8 x 14 mittels Sonderzulassung eingetragen bekommen habe“, atmet er auf, “für die Räder gibt es schließlich keine Legitimation seitens des Herstellers. Zumindest nicht für den Corsa A.

Im Opel Corsa blinken 200 blaue Leuchtdioden

Normalerweise gibt es die Freigabe nur für den Corsa B und den Tigra.“ Dass die Rad-Reifen-Kombi dennoch auf dem Corsa A gefahren werden darf, verdankt Manuel seinem Reifenhändler. Letzterer konnte ein Arrangement mit Brock und dem TÜV realisieren, aufgrund dessen die Wunsch-Felgen in Kombination mit Uniroyal-“Rainsport“-Reifen der Dimension 195/45 R14 auf dem kleinen Opel rollen dürfen.

Gänzlich freie Hand hatte Böttcher bei der Ausstaffierung des Corsa-Innenraums. Abgesehen vom 30er Dino-Lenkrad und den König-Halbschalensitzen, die inklusive ABE kamen, gibt es keine Beschränkungen hinsichtlich der Gestaltung des Interieurs. Folglich ließ der Bauherr seiner Fantasie freien Lauf und schlug den Dachhimmel sowie die Seitenverkleidungen und den Fußraum des um die zweite Sitzreihe befreiten Fahrgastraums mit silbernem Samt aus. Als passenden Kontrast hierzu installierte er 200 blaue Leuchtdioden, die er bei Dunkelheit mittels zweier Schalter auf der Mittelkonsole zünden kann. Einen Handgriff weiter oben befindet sich die Steuereinheit für die dazu passenden Sound-Effekte. Das ebenfalls in Eigenregie installierte Soundsystem besteht aus einem Clatronic-AR-736-MP3-Endgerät, Kenwood-3-Wege-Lautsprechern und MB-Quart-Boxen nebst Hochtönern in den Türtafeln sowie einer 1000-Watt-Magnat und einer 850-Watt-RTO-Endstufe im Heck des Corsa.

136 PS im Corsa A? Da geht noch was!

Die Klanggewalt dieses Ensembles nutzt Böttcher gleichwohl nur während ausgedehnter Pausen. Im Betriebszustand erfreut sich der Opel-Enthusiast am Klang des zuvor erwähnten GSi-Triebwerks sowie der dazugehörigen, selbst angefertigten Edelstahl-Abgasanlage inklusive Sport-Kat. “Von Genuss kann im Moment leider nicht die Rede sein, berichtet Böttcher ernüchtert, “die Kolbenringe haben sich verabschiedet. Seither schluckt der Motor massenhaft Öl und schmeißt blaue Wolken, sprich: der macht nicht mehr lange!

Glücklicherweise ist Manuel ein pragmatischer Typ, der die Auffassung vertritt, dass jedes Ende auch ein Anfang sein kann. Wie sonst ist es zu erklären, dass er einen nahezu schrottreifen Corsa zu neuem Leben verholfen hat. “Wohl wahr“, stimmt er ein, “aufgegeben wird nicht. Die Maschine wird wieder flott gemacht. Bei der Gelegenheit werde ich direkt ausloten, ob noch ein bisschen mehr als die originalen 136 PS drin sind. Ich bin überzeugt, da geht noch was!“

Diesen Artikel gibt es in der flash – Opel Scene 08/2011!

Text: Marc Timmer
Fotos: Peter Schulz

Fotos: Peter Schulz

Von: Marc Timmer

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