Seit ihrer Gründung 1989 sorgt die Kölner edeltraut-Truppe mit ihren Umbauten für Furore in der Szene. edeltraut-Autos (der Name rührt übrigens von der Namenspatronin her) gab’s schon in der ersten flash überhaupt zu sehen. Ein Portrait findet Ihr zudem in Ausgabe 03/2010. Heute will Euch Ede Anielski – so eine Art Häuptling und zusammen mit seinen drei Brüdern Dreh- und Angelpunkt des zirka 40 Mitglieder zählenden Clubs – mal von den Grundlagen der C-Kadett-Restaurierung erzählen. Für Einsteiger ganz besonders interessant! Dargereicht wird es Euch anhand Edes 1979er Kadett C Caravan, den wir während des ersten flash-Shooting-Days im Mai fotografiert hatten.
Ede entdeckte Opel-Schönheit auf Parkplatz
Die Vorbesitzerin hatte den Kadett C 1993 zum Ford-Händler gebracht, um die damalige Aktion für die Inzahlungnahme von Autos ohne Kat zu nutzen. Dafür gab’s 3.000 D-Mark Rabatt. Ede arbeitete damals bei diesem Händler und entdeckte die Opel-Schönheit auf dem Parkplatz. Das Auto hatte ein strahlendes Gelb und befand sich in tadellosem Zustand, viel zu schade für die Schrottpresse. Vor allem weil der Kombi neben der Berlina-Ausstattung bereits die 1.6S-Motorvariante vorweisen konnte. Das war vielversprechend und Ede verhinderte den Ford-Deal, indem er der Tochter der Vorbesitzerin ins Gewissen redete und schließlich den Kadett abkaufte. Dabei kam dann heraus, dass es sich um einen Garagenwagen aus erster Hand mit sehr geringer Laufleistung handelte.
15 Jahre langer Dornröschenschlaf für Kadett C Caravan
Das Auto wurde zunächst in den Dornröschenschlaf versetzt, da Ede sich anderen edeltraut-Projekten widmete. Nach 15 Jahren holte er den Kadett endlich hervor und begann die Restauration, die er ausführlich dokumentierte und hier in einem kleinen Ratgeber für alle Interessierten zusammenfasst. Es gibt gewisse “Spielregeln“, an die man sich halten sollte, damit am Ende ein perfektes Ergebnis herauskommt und man viele Jahre ungetrübte Freude daran hat.
Die spezifischen Angaben zu Edes Kadett sind fett gedruckt!
“Erstmal das Auto komplett zerlegen, bis nur noch die Karosserie übrig bleibt. Für ein späteres Wertgutachten ist es wichtig, die grundlegenden Schritte auf Fotos festzuhalten, damit es keine Zweifel über die Arbeiten gibt. Als Gedankenstütze während des ganzen Projektes sollte man immer etwas zu schreiben griffbereit haben, damit man sich eine Teilliste anfertigen kann, für die Dinge, die erneuert werden müssen. Alle Anbauteile der Karosserie (Türen, Kotflügel, Haube, usw.) sollten nach der Demontage auf Flugrost, Kantenrost oder Durchrostungen gründlich geprüft werden. Sofern man die Karosserie mit rostfreien Teilen beisammen hat, sollte man sich zunächst überlegen, ob eventuell Änderungen notwendig sind, bevor es an die Feinarbeit geht. Die Passgenauigkeit der Teile muss geprüft werden, auch ob alle Spaltmaße stimmen. Sollen zusätzliche Extras verbaut werden (Leuchten, Zierleisten, usw.) müssen zuerst die entsprechenden Löcher gebohrt oder Halter angebracht werden, bevor die Vorarbeiten zur Lackierung beginnen.
Beim Caravan waren die Blechteile fast alle in hervorragendem Zustand, der untere Teil des Frontblechs sowie der rechte Kotflügel wurden erneuert. Die Löcher für die zusätzlichen Leuchten wurden abgemessen und gebohrt. Außerdem schweißte ich ein Stahlschiebedach ein, das zwar original vom Kadett C stammt, allerdings für den Caravan werksseitig nie angeboten wurde.
Der Unterboden des Autos muss komplett von Unterbodenschutz und Dichtmasse befreit werden. Nur so lassen sich versteckte Mängel oder Roststellen aufdecken. Die kritischen Stellen beim Caravan beispielsweise sind: Radläufe, Schweller, Kofferraumboden, Bodengruppe, A-Säulen, Frontbereich, Türen und Heckklappe. Hier muss also besonders aufgepasst werden, damit man später keine böse Überraschung erlebt.
Alle aufgezählten Teile befanden sich in sehr gutem Zustand. Dies war vermutlich der Lohn für die ausnahmslose Unterbringung des Fahrzeugs in einer Garage, um es vor Wind und Wetter zu schützen. Die vorsichtige Fahrweise der Vorbesitzerin schützte natürlich auch vor Beulen durch Feindberührung.
Ebenfalls wichtig: Die Überprüfung aller Fensterdichtungen und Gummiteile, die für die Abdichtung verantwortlich sind. Im Laufe der Jahre werden diese vor allem durch Sonnenbestrahlung porös oder brüchig und damit undicht. So könnte Regenwasser in Hohlräume oder gar den Innenraum gelangen. Beschädigte Gummis/Dichtungen müssen daher zwingend ausgetauscht werden.
Beim Kombi war alles im grünen Bereich.
Kontrolle der kompletten Innenausstattung. Dazu zählen Sitze, Teppich, Seitenverkleidungen, Himmel und alle Kunststoffteile des Armaturenbretts bzw. des übrigen Innenraums. Hier lassen sich nach 30 Jahren Fahrzeug-Nutzung meist einige Beschädigungen durch unvorsichtigen Gebrauch finden. In der Regel können beschädigte Teile durch gut erhaltene gebrauchte Teile ersetzt werden. Es müssen nicht alles Neuteile sein, diese sind ohnehin sehr selten und daher kostspielig.
Die alte Dame ist stets gut mit ihrem Kadett umgegangen, daher sieht man dem Innenraum das Alter absolut nicht an. Alles tadellos. Tacho, Drehzahlmesser und Zusatzarmaturen für Öldruck, -temperatur wurden ergänzt bzw. ersetzt. Bei höherer Motorisierung ist dies zu empfehlen, damit man alles im Blick und unter Kontrolle hat.
Die Verglasung des Autos sollte rundum einer Sichtkontrolle unterzogen werden, damit Steinschläge, Kratzer oder andere Beschädigungen auffallen. Diese sind unschön anzusehen und mindern den optischen Eindruck des Fahrzeugs. Außerdem könnten sie im schlimmsten Fall zu Rissen in der Scheibe führen.
Die Scheiben hatten ein paar unschöne Stellen und wurden rundum durch eine neue Colorverglasung ausgetauscht.
Der Motor ist natürlich das A und O des Autos, schließlich möchte man mit dem fertigen Wagen nicht nach wenigen Kilometern liegen bleiben. Wer mit dem Gedanken spielt, ein leistungsstärkeres Aggregat einzubauen, sollte sich darüber im Klaren sein, dass dies zwingend einige technische Veränderungen mit sich führt. Zum Beispiel muss die Bremsanlage an die höhere Leistung angepasst werden. In jedem Fall sollte man den gebrauchten Motor einer Generalüberholung unterziehen. Man weiß nie, wie pfleglich er in der Vergangenheit behandelt wurde. Also zunächst komplett zerlegen und an den entscheidenden Stellen eine Verschleiß-Messung durchführen, hierzu zählen Teile wie Kurbelwelle, Lager, Kolben, Zylinderwände, Nockenwelle, Ventile und Ventilführung, Steuerkette und Führungen und auch ganz wichtig die Ölpumpe. Nach erfolgreicher Überholung und Erneuerung der verschlissenen Teile sollten beim Zusammenbauen des Motors immer neue Dichtungen und Simmerringe verwendet werden. Die Kupplung und das Drucklager müssen überprüft und in den meisten Fällen auch erneuert werden.
Tausch des originalen Motors gegen einen generalüberholten 2.4-16V-Aggregats (Ascona 400), an dem Übermaßkolben, Lager, Nockenwellen, Ventile und -führungen sowie Steuerkette und Ölpumpe erneuert wurden.
In der Regel war der Kadett C mit einem 4-Gang-Getriebe ausgestattet, das bei einem 1.2l-Motor auch passt. Bei höherer Motorisierung greift man auf die bewährten 5-Gang-Getrag- oder ZF-Getriebe zurück, die in Verbindung mit den CIH-Motoren verbaut werden. Gerade bei höherer Beanspruchung empfiehlt es sich, das Getriebe zu zerlegen, um späteren Schäden vorzubeugen. In den meisten Fällen müssen nur die Lager getauscht werden.
Es wurde ein 5-Gang-ZF-Getriebe verbaut. Zuvor wurde es neu gelagert und neu abgedichtet.
Für die Hinterachse gilt grundsätzlich das Gleiche wie für das Getriebe, nämlich zerlegen, Verschleiß an der Verzahnung prüfen und Lager sowie Simmerringe ersetzen.
Aufgrund der Änderung der Motorisierung wurde auch die Übersetzung der Hinterachse geändert und ein Ausgleichsgetriebe mit 45%-Sperrwirkung verbaut. Die Steckachsen wurden in Einzelanfertigung neu gebaut und gewährleisten die spätere 5-Loch-Anbindung der Räder.
Alle beweglichen Teile der Vorderachse sollten demontiert, Traggelenk, Kugelkopf, Gummilager und -buchsen sowie die Radlager durch neue Teile ersetzt werden. Die Oberfläche der Achse sollte man zum Langzeitschutz entweder kunststoffbeschichten oder lackieren.
Austausch der beschriebenen Teile und Änderung der Radnabe mit Achsschenkel vom Commodore A und Lenkhebel vom Ascona 400.
Bremse: Den Hauptbremszylinder auf Undichtigkeit prüfen und gegebenenfalls erneuern. Das Gleiche gilt für die kompletten Bremsleitungen, die aufgrund von Korrosion undicht sein könnten und ggf. auch erneuert werden müssen. Die Bremsscheiben müssen vermessen werden und bei Überschreitung der Verschleißgrenze, Rost oder anderen Beschädigungen gemeinsam mit den Bremsklötzen erneuert werden. Dann die Bremssättel zerlegen und mit einem entsprechenden Überholsatz instand setzen. Das Gleiche gilt für die hintere Bremse, also bei Verschleiß Trommeln und Bremsbeläge erneuern. Außerdem sollte der Radbremszylinder auf Gängigkeit oder Undichtigkeit geprüft und eventuell ausgetauscht werden.
Aufgrund der deutlichen Leistungssteigerung wurde die Bremse geändert. Es wurden vorne Scheiben vom Ascona 400 mit Bremssätteln vom Monza A und hinten Bremstrommel, Beläge und Radbremszylinder vom Commodore B verbaut.
In den meisten Fällen empfiehlt sich ein Tausch der kompletten Auspuffanlage, da ist man auf der sicheren Seite. Bei größerem Geldbeutel ist eine Edelstahlanlage eine gute Investition, da diese nicht durchrosten kann.
Die vorhandene Auspuffanlage war abgesehen vom Alter für die Motorisierung ungeeignet und wurde daher durch eine Komplettanlage mit 3-Wege-Kat ersetzt.
Beim Fahrwerk muss man sich entscheiden, ob man eher die originale Version schätzt oder ob man es lieber sportlich tiefer gelegt mag. In beiden Fällen kann man bei den Federn auch schon mal auf gute Gebrauchtware zurückgreifen, da sie in der Regel verschleißfest sind. Bei den Stoßdämpfern sieht das anders aus. Da ist es ratsam, in einen neuen Satz zu investieren. Bei der Tieferlegung ist natürlich darauf zu achten, ob die Radläufe bearbeitet werden müssen, damit auch breitere Rad-/Reifenkombinationen genügend Freiheit haben.
Die gewünschte Tieferlegung wurde durch das gerne beim Kadett C verwendete Mattig-Fahrwerk erreicht. Im Zusammenspiel mit Koni-Dämpfern ergibt das eine gut abgestimmte Kombination.
Die Beleuchtung bleibt in der Regel unverändert, damit es mit einer späteren H-Zulassung keine Probleme gibt. Natürlich muss hier auch darauf geachtet werden, dass die Scheinwerfer und Blinker keine Risse haben, da sich durch evtl. Wassereintritt der unbeliebte Aquariumeffekt einstellt. Sollte sich innen Kondenswasser bilden, müssen die Scheinwerfer/Blinker natürlich gegen neue bzw. gut erhaltene gebrauchte ersetzt werden. Bei älteren Modellen könnten evtl. Bilux-Scheinwerfer verbaut sein; diese sollten zur Sicherheit und zur besseren Lichtausbeute gegen H4-Scheinwerfer ersetzt werden.
Es wurden neue H4-Scheinwerfer, Blinker und Rückleuchten eingebaut. Außerdem wurden die seltene Scheinwerfer-Reinigungsanlage, seitliche Begrenzungsleuchten sowie Nebelscheinwerfer und Nebelschlussleuchte nachgerüstet. Das alles gab es damals als originales Opel-Zubehör für den Kadett C.
Bei der Fahrzeugelektrik ist der Kabelbaum entscheidend. Dieser ist im Vergleich zu den heutigen Autos noch recht übersichtlich und unkompliziert. Bei der Umrüstung auf Motoren mit Einspritzanlage ist jedoch ein wenig Fachkenntnis notwendig. Ansonsten ist der Kabelbaum mit den verschiedensten Motorvarianten kombinierbar. Die Lichtmaschine und der Anlasser werden erfahrungsgemäß bei jeder Restauration erneuert. Dass man dem Restaurationsobjekt eine neue Batterie spendiert, ist wohl selbstverständlich. Diese muss natürlich bei Motoränderung an die Leistung bzw. den kräftigeren Anlasser angepasst werden.
Der originale Kabelbaum wurde durch zusätzliche Kabel für die Einspritzanlage, die Zusatzinstrumente und die Katalysatorsteuerung erweitert. Die Lichtmaschine wurde gegen ein Modell mit höherer Ladeleistung getauscht und der Anlasser aus Altersgründen erneuert.
Die Lackierung ist das entscheidende Merkmal für die Gesamtoptik. Daher sollten die Vorarbeiten sehr genau durchgeführt werden. Zunächst müssen alle Blechteile von sämtlichen Beulen befreit werden. Die ausgebeulten Stellen werden feingespachtelt und grundiert, so dass wieder eine glatte Fläche entsteht. Der Unterboden muss grundiert und die Nähte neu abgedichtet werden. Die Bodengruppe wird für die Optik und die Konservierung lackiert. Ist das alles erledigt, wird die komplette Karosserie innen und außen feingeschliffen. Das gilt natürlich auch für alle Anbau(-blech)teile. Wenn diese Vorarbeiten alle abgeschlossen sind, steht der Lackierung nichts mehr im Wege.
Für den Kadett wurde der originale Opel-Farbton Jamaika-Gelb gewählt, der auch schon ursprünglich das Auto zierte. Die Lackierung ist in einem Durchgang von innen und außen durchgeführt worden.
Was hier von Ede Anielski einführend aufgeführt wird, fußt freilich auf den Erfahrungen vieler bereits durchgeführter Restaurationen. Anfänger sollten sich zwar nicht abschrecken lassen, aber sich immer zunächst an den Rat erfahrener Schrauber halten und gemeinschaftlich arbeiten.
Diesen Artikel gibt es in der flash – Opel Scene 08/2011!
Text: Ede Anielski
Fotos: Peter Löschinger, Restaurationsfotos: edeltraut-Tuning
Von: Ede Anielski
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