1949er Kapitän 47

Vom Vorkriegsmodell unterscheidet sich der Kapitän 47 nur durch die runden (vormals eckigen) Scheinwerfer, die Form der Zeppelinfigur auf dem Kühler und Details bei den Zierteilen. Auch entfielen nach der Stunde Null die Zweitürer- und Cabrioversionen. Erstaunlich genug, dass so schnell nach Kriegsende wieder so ein extrem luxuriöser Schlitten vom Stapel lief. Fahren im eigenen Auto an sich kam für den überwiegenden Teil der Deutschen dem Wunsch gleich, mit der eigenen Kapsel vom Garten aus ins All geschossen werden zu können. Purer Wunschgedanke! Erst später, mit Beginn des Wirtschaftswunders konnte man sich peu à peu wieder mobilisieren. Fahrrad – Moped – Leichtkraftfahrzeug und irgendwann einmal wieder so etwas wie ein Käfer.

Opel Kapitän als erster deutscher Sechszylinder

Mitten in diese Zeit nimmt sich der Kapitän wie eine prunkvolle Staatskarosse aus. Startete die Produktion 1948, gingen die ersten Exemplare noch ausschließlich in die Hände der Besatzungsbehörden. Zivile Kapitäne durften erst ab 1949 auf große Fahrt gehen – entsprechende finanzielle Mittel vorausgesetzt, kostete der Opel doch 9.950 D-Mark. Das Jahresdurchschnittseinkommen lag damals bei rund 2.800 D-Mark. Dafür bekam die wohl situierte Gesellschaft aber eben auch den ersten deutschen Sechszylinder. Dennoch: viele Modelle gingen in den Export. Auch unser 1949er Fotomodell kommt aus einem gutem Stall und verfügt über Auslandserfahrung.

“Der Vorbesitzer war Freiherr von Ketteler aus Münster. Das Auto wurde 1949 in Rüsselsheim gebaut und nach Belgien exportiert. Ketteler holte das Auto wieder zurück und ließ es aufwendig bei dem ehemaligen Opel-Händler Micke reparieren. Der Vater von Freiherr von Ketteler fuhr 1938 so einen Kapitän, so dass der Sohn mit diesem Auto seine Oldie-Sammlung erweiterte“, erzählt Detlev Jakob, der heutige Besitzer des Kapitän. “Mir gefiel der Kapitän immer sehr gut, auch aufgrund der ’Selbstmördertüren’, außerdem hat meine Schwester in so einer Limousine geheiratet.

49er Kapitän punktet mit Popularität und Zuverlässigkeit

Detlev kaufte den Opel im April 2005 per Handschlag – allerdings “ohne, dass meine Frau Kenntnis davon hatte. Ich versteckte ihn erst einmal in der Garage meiner Eltern unter einem Tuch.“ Da galt es, den neuen Blechfang möglichst geschickt zu beichten. Da der technische Angestellte im Bochumer Opel-Werk noch weitere Oldies wie ein Käfer-Cabrio und ein Kadett A Coupé im Besitz hält, sollte eine Teilnahme an der Rally Bad Sassenhoff die Gattin nicht stutzig machen. Die Überraschung gelang, als Deltev dann schließlich aber mit dem Kapitän vorfuhr. Und so glückte die Jungfernfahrt auch vortrefflich. “Unser neuer Werksdirektor hatte mich gleich zu dem neuen Auto beglückwünscht, was meiner Frau als Beifahrerin natürlich auch gefiel.“

Der Kapitän zeigte sich beim Kauf in glänzendem Zustand und erfreut die Jakobs seither bei Oldtimerausfahrten oder Ausflügen. “Man muss natürlich sehr vorausschauend fahren, da der Wagen ja sehr schwer ist und die Trommelbremsen nicht mit heutigen Autos vergleichbar sind.“ Aber hier macht ja gerade das gemütliche Fahren Spaß – egal ob auf einer Ausfahrt oder nur zum Kaffeetrinken in Elfringhauser Schweiz. Dabei begeistert der Kapitän auch die Passanten oder entgegenkommende Fahrer – es wird sehr viel fotografiert. Bei der Presse ist der 49er Opel ebenso stets ein beliebtes Motiv – was nicht zuletzt auch unser illustrer kleiner Bericht wieder einmal unter Beweis stellt. Zu seiner offenkundigen Popularität gesellt sich zudem noch eine hohe Zuverlässigkeit.

Glücksbringer ist immer an Bord des Opels

An Reparaturen fiel bislang lediglich eine defekte Wasserpumpe an. “Das Auto läuft und läuft und läuft, eben Opel der Zuverlässige“, freut sich Detlev. Allerdings ließ er dem Kapitän von Februar bis April dieses Jahres einen großen Check angedeihen, bevor er im Mai 2011 erfolgreich die TÜV-Prüfung meisterte. Zum Wartungs-Rundumschlag gehörten die Bremsen (Beläge, Radbremszylinder, Hauptbremszylinder), die Gummiteile der Achse, neue Bremsschläuche, Kerzen und neu eingestellte Ventile. Alle Öle wurden gewechselt. Darüber hinaus müssen im Zuge der regelmäßigen Wartungsarbeiten Radnaben, Lenkung, Achsschenkel und Kardanwelle regelmäßig mit der Fettkartusche über Schmiernippel abgeschmiert werden, damit es so problemlos läuft wie bisher.

Dafür ist indes auch noch ein Glücksbringer mit an Bord: “Der Vorbesitzer von Ketteler bestand darauf, dass seine rote karierte Decke im Auto bleiben muss – die habe ich tatsächlich immer dabei.“ So muss man sich um die Zukunft des Kapitäns, der so alt ist wie diese Republik, wohl keine Sorgen machen. Ahoi!

Diesen Artikel gibt es in der flash – Opel Scene 08/2011!

Text & Fotos: Peter Löschinger

Fotos: Peter Löschinger

Von: Peter Löschinger

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