Klassisches 1978er C-Coupé

Das waren noch Zeiten. Obwohl das C-Coupé, als es 1973 herauskam, ein echt schnieker Zweitürer war, bot es Platz für vier Personen. Gut, zwei Meter-Riesen waren vor fast 40 Jahren eben auch noch nicht so weit verbreitet, so dass die abfallende Dachpartie kaum ins Genick…äh Gewicht fiel. Kurzum, ein Wagen, der gut ankam, aber leider beim D-Kadett keinen ebenbürtigen Nachfolger fand (selbst der GT/E zählt da nicht so wirklich). So fanden sich schon früh Enthusiasten in der Szene, die dem “CQP“ huldigten und es tunten, was die Fantasie und die Zubehörindustrie hergab – und das war in den 80er Jahren und frühen 90ern nicht gerade wenig. Doch auch damals schon gab es die puristische Herangehensweise – Old School eben. Und das ist auch fast ein Vierteljahrhundert später noch angesagt, wie Marco Laß und sein 1978er Exemplar beweisen.

Dauerbrenner: Opel C-Coupé im Old-School-Look

Als Marcos Auto 1978 von den Bändern lief, bildete die dritte Nachkriegsgeneration des Kadett einen verlässlichen Eckpfeiler in der Rüsselsheimer Modellpolitik. Variantenreich war für jeden etwas dabei: Limo, Caravan, Coupé, ja sogar City (als Golf-Jäger) oder Aero (als zaghafter Cabrioversuch) tummelten sich in den Ausstellungsräumen der freundlichen Opelhändler. Das schnittig gezeichnete Coupé fand schnell viele Freunde. Und obwohl sich die meisten Kunden eher für zivile Motorversionen zwischen 52 und 60 PS entschieden, waren die “Brummer“-Motoren in C Rallye (75 PS bei 805 kg), G/TE 1.9 (105 PS bei 900 kg) oder GT/E 2.0 (115 PS bei 920 kg) die Könige der Herzen. Leider gab’s für das Coupé keinen echten Nachfolger beim D-Kadett. Auch der GT/E war’s dann nicht so richtig. Also bildeten sich schon früh Liebhaber und Clubs, die das Coupé nach allen Regeln der Kunst individualisierten oder einfach nur original hegten und pflegten – jeder nach seiner Facon. Seit dieser Zeit aber ein Dauerbrenner fernab aller geschmacklichen Richtungen: der Old-School-Look.

Auch der 27-jährige Marco Laß aus Hamburg fühlt sich diesem Baustil aufs Tiefste verpflichtet, schon als er noch Volkswagen fuhr. “Zu Opel bin ich durch einen Kumpel gekommen, der hat mich in seinem Manta mit nach Oschersleben genommen. Da wollte ich auch einen Eigenen, obwohl ich zu der Zeit ein Golf 1 Cabrio gefahren habe. Fahrwerk, Felgen und Einiges mehr waren an dem VW gemacht, doch da ich ihn verkaufen wollte, kam nur noch ein Opel in Frage“, so Marco.

Marco verpasste seinem 78er C-Coupé einen originalen Blauton


2008 kaufte er sich dann die Coupé-Karosse. Von vornherein schwebte ihm der zweisitzige Look vor – und der klassische Dreisprung aus Motor, Felgen und Fahrwerk. Doch bis es soweit war, stand noch ein wenig Blecharbeit an. Das Auto wurde komplett zerlegt, neu aufgebaut und in einem originalen Blauton lackiert.

“Die Karosse war zum Teil schon durchgeschweißt, außer an ein paar Stellen wie der Batteriemulde, aber da musste ich sowieso noch dran wegen dem Motorumbau und dem Cleaning“, erzählt der Wahl-Hamburger, der zudem die gesamten Achsen weiß pulverbeschichtete und den Unterboden in Wagenfarbe lackierte.

Opel-Coupé erhielt viel Technik für mehr Sportlichkeit

Dann ging es an den Motor. Der C20XE-16-Ventiler stammt aus einem Calibra. Der Treibsatz wurde auf 2.100 ccm aufgebohrt und der Kopf geplant. Von Risse Motorsport stammten zudem 276er Nockenwellen und die Kolben. Im Zusammenspiel mit dem Remus-Kat und der Bastuck-Auspuffanlage liegen rund 150 PS an. Leistung – vorhanden! Marco übernimmt dabei stets die komplette Demontage und baut die Zutaten dann auch eigenhändig zusammen. Zudem cleante er im Motorraum weiträumig, integrierte eine weiß lackierte Lexmaul-Ansaugbrücke und bugsierte die Batterie ins neue Blechhäuschen namens Kofferraum. Hier hinten glänzt nun auch der frisch verchromte Originaltank.

Um die Leistung indes auch auf die Straße zu bekommen, wählte Marco ein Omega-Fünfganggetriebe, für das er den Getriebehalter und das Ausrücklager selbst baute (genau so wie schon den Motorhalter). Auf der Fahrwerksseite schlagen Koni-Dämpfer und Mantzel-Federn zu Buche…äh…zu Rade. Im Übrigen ergänzen vorne eine 1000er Achse und eine 3:67er Hinterachse mit 45%iger Sperre aus einem Rallye-Kadett den Wunsch nach mehr Sportlichkeit. Für die Verzögerung sorgen Bremsen aus dem Rekord 2.2.

Marco verwirklichte im 78er C-Coupé Zweisitzer-Konzept

Die 15-Zoll-BBS-“RM“ ließ Marco umschüsseln und polieren. Damit’s auch passt, musste er dafür die Karosserie hinten leicht ziehen. Ansonsten sind die Radläufe umgelegt.

Innen sprachen wir bereits das von Marco erwünschte Zweisitzer-Konzept an. Neben dem Käfig finden sich hier auch das Armaturenbrett, die Mittelkonsole und die Seitenteile mit Alcantara bezogen. Das passe gut zu den Sportsitzen, deren Mittelteile einen ebensolchen Bezug haben, findet Marco.

“Ich würde alles noch mal so machen, vielleicht allerdings keinen 16V mehr einbauen. Daher überlege ich, demnächst auf CIH rückzurüsten und Weber-Einzeldrosselklappen zu installieren“, so Marco. Damit wären die Arbeiten CQP aber komplett abgeschlossen und ein weiterer Schritt in Richtung Old School getan. Zeitlos eben.

Diesen Artikel gibt es in der flash – Opel Scene 07/2011!

Text: Peter Löschinger
Fotos: Dieter Debo

Fotos: Dieter Debo

Von: Peter Löschinger

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