Kadett der Käferschreck

Kadett A

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Kadett A

Kadett A

Vermutlich der älteste noch zugelassene A-Kadett Deutschlands

Er lief und lief und lief. Lange half einfach kein Kraut gegen den Käfer. Der Volkskrabbler – Symbol des Wirtschaftswunders sowie individueller und nahezu klassenloser Fortbewegung zugleich – verkaufte sich millionenfach. Opel rüstete zum Gegenangriff, nahm die Kleinigkeit von einer Milliarde Mark in die Hand, baute in Bochum eigens seinerzeit eine der modernsten Fabriken der Welt – und blies zum Angriff.  “Der ist ja dropsig“, entfährt es oft der Damenwelt, wenn Bilder vom A-Kadett die Runde machen. Nun, genau genommen sieht das Kindchenschema zwar etwas anders aus (und ehrlich gesagt, hatten wir fairerweise Fotos vom Käfer nicht dabei), aber fast 50 Jahre nachdem das Wägelchen das Licht der Welt erblickte, kann man den 3,90-Meter-langen Floh wohl wirklich als knuddelig empfinden. Anfang der 60er Jahre sah das freilich ganz anders aus. Ein großer Teil der bundesrepublikanischen Gesellschaft sah im Käfer schlicht und ergreifend noch “das Auto“. Zwar sorgte Opels Mittelklasse für Erfolge und bugsierte die Rüsselsheimer auf Platz zwei der größten deutschen Autohersteller, doch im unteren Segment klaffte eine Lücke. Man beschloss also, der “Käferplage“ ein Ende zu setzen. Neues Auto – alter Name. Der Neue sollte wie der Vorkriegserfolg Kadett heißen und eine eigens dafür zu errichtende Fabrik würde ihn bauen. Aufgrund des Facharbeitermangels stampfte man das neue Werk im Ruhrpott aus dem Boden, weil dort aufgrund des sinkenden Sterns der Steinkohle ausreichend Arbeitskräfte bereitstanden. Zudem buhlten aufgrund des Strukturwandels Städte wie Bochum um die Ansiedlung neuer Branchen. Doch bevor das in Rekordzeit von zwei Jahren gebaute Werk 1962 die ersten Anti-Käfer ausspucken konnte, hatte ein als 1200 verkaufter abgespeckter Rekord P1 den Einsteiger geben müssen und lockte am unteren Ende der Lieferliste die Kundschaft.

Als Opel dann nach über fünfjähriger Entwicklungszeit den neuen Kadett präsentierte, zeigte sich die Presse begeistert: “Er ist nicht nur ein preisgünstiges und zweckmäßiges Gebrauchsauto, sondern auch ein Wagen, den flott zu fahren wirkliches Vergnügen bereitet“, schrieb ein Tester der Zeitschrift Automobil. Wohlgemerkt, gerade mal 40 PS standen zur Verfügung. Kein Grund, auch für Rennfahrerlegende Hans Herrmann in der Bunten neben der Schaltung auch von der Elastizität und der Laufruhe des Autos zu schwärmen: “Er ist schon ein kleines Wunder, dieser Opel-Motor.“ Aber nicht nur der wassergekühlte Treibsatz, der trotz besserer Fahrleistungen weniger verbrauchte als der Käfer, sorgte für Begeisterung. Denn neben der serienmäßigen Viergang-Mittelschaltung (die meisten Konkurrenten hatten noch Dreigang-Lenkradschaltung) zeigten sich auch Fahrwerk, Bremsen und das Blechkleid sehr modern. Letzteres zudem geriet noch sehr übersichtlich und großzügig gegenüber seiner Insassen und deren Gepäck. Obgleich der Käfer noch fast ein Vierteljahrhundert später im Lieferprogramm stand, kam der luftgekühlte Krabbler eben in die Jahre. Das nutzten die Kadett-Entwickler aus und wiesen dann in ihren Presseerklärungen und Verkaufsprospekten auch auffällig auf die Heizung, “die nicht riecht“, oder die beiden Panoramascheiben hin, die “eine ausgezeichnete Rundumsicht haben, welche durch schmale Türsäulen und Fensterpfosten nicht beeinträchtigt wird. Die Sicht nach oben ist ausgezeichnet, so dass das grüne Ampellicht ohne Verrenkung erwartet werden kann.“ Auch Benzingeruch im Kofferraum habe man aufgrund des außen liegenden Tankverschlusses nicht zu erwarten. Dies sei hier nur beispielhaft für die vielen kleinen und großen Vorzüge erwähnt, von denen Käfer-Käufer damals nur träumen konnten. Aber da der Einstiegspreis mit 5.075 Mark gerade mal 95 Mark über dem Wolfsburger Niveau lag, setzten viele den Traum auch in die Realität um.

Von: Peter Löschinger

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