Vor der Schrottpresse gerettet


Mit Dragstrip-Motor – 1976er Diplomat B V8

Jahrelang stand dieser Diplomat bei ihm unter dem Carport. „Eigentlich war er ja reif für die Schrottpresse, aber nachdem ich meinen C-Kadett verkauft hatte, begann ich mit dem Neuaufbau“, erinnert sich Oliver Zimpel. Der 39-jährige Industriemechaniker aus Salzgitter werkelte, unterstützt von seinem Vater, rund eineinhalb Jahre nur an der Karosserie der 1976 gebauten Limousine. Die Bodenbleche waren gut, aber die Schweller mussten teilweise geschweißt werden, ebenso wie die Radläufe.

Neue Hauben und Kotflügel kamen ans Auto, sogar ein neues Dach. Lackiert wurde der Opel im Silberperl-Farbton von Audi. Alle Achsteile wurden überholt und pulverbeschichtet und mit neuen Buchsen versehen. Für das Fahrwerk wurden speziell angefertigte KAW-Federn montiert, außerdem Koni-Stoßdämpfer und Domstreben. So ausgerüstet, liegt der Diplomat B jetzt vorne 95 und hinten 70 Millimeter tiefer auf der Straße. Der serienmäßig verbaute Achtzylindermotor wurde nicht nur komplett überholt, sondern auch noch ordentlich frisiert.

Der Originalblock des 5,4-Liter-Triebwerks blieb erhalten, aber die Innereien änderten sich. Unter anderem wurden Schmiedekolben, H-Schaft-Pleuel und Eigenbau-Nockenwellen von Thomas Engelade montiert. Der Hubraum des V8 wuchs auf 6,3 Liter. Alu-Zylinderköpfe von Brodix wurden verbaut, außerdem ein Holley-Vergaser sowie eine Eigenbau-Edelstahlabgasanlage mit Fächerkrümmer. Das Halbautomatik-Getriebe THA 400, das auch im Bitter und in der Corvette montiert ist, leistet jetzt hier gute Dienste, zusammen mit einem geänderten Wandler T350, der erst 1.000 Umdrehungen später schaltet.

„Der Motor ist gut für 8.500 Umdrehungen und für einen Kompressor vorbereitet, der noch folgen soll“, macht Oliver deutlich. Die Leistung beträgt momentan schon stolze 580 PS. „Aber die Substanz ist gut für bis zu 800 PS“, meint der Opel-Fan, der Mitglied im Club Die letzten Luden e.V. ist. Natürlich wurde die Bremsanlage der Mehrleistung angepasst. Dienst tun Bremsscheiben von Pink Power zusammen mit 4-Kolben-Bremssätteln vom Audi S5.

Die Felgen schraubte Oliver von der Corvette C4 ans Auto, vorne in der Größe 9,5 J und hinten in 11 J x 17 Zoll. Um die 315er Reifen hinten unterzubringen, wurden die Radkästen um 50 Millimeter nach innen versetzt. Außerdem wurden SSC-Spurverbreiterungen montiert, die den Diplomat vorne und hinten um 20 Millimeter nach außen drücken. Probleme mit Ersatzteilen gab es nur bei der Suche nach Chromteilen. „Die Leisten sind schwierig zu bekommen und meist sehr teuer“, weiß Oliver.

Nach einem Viertelmeile-Rennen rissen die Antriebswellen ab und das Differential flog auseinander. Daraufhin wurde ein Hinterachskorb vom Bitter mit 50-prozentiger Differentialsperre eingebaut, der haltbarer ist und auch in der Corvette Verwendung findet. Verstärkte Antriebswellen kamen außerdem rein. Innen ließ Oliver alles mit Alcantara beziehen, installierte ein Mad-Mike-Lenkrad und einen Drehzahlmesser mit Schaltlampe. Die originalen Sitze wurden neu mit Leder bezogen und der Himmel im Originalfarbton Weiß. Insgesamt hat der Opel-Fan 35.000 Euro und zwei Jahre Arbeit in sein Projekt gesteckt. „In Zukunft möchte ich noch mehr Spezialteile an meinem Diplomat verbauen – und einen Kompressor oder Lachgaseinspritzung“, kündigt er bereits jetzt an.



Flash Facts:

Typ: Diplomat B V8 (1976)
Motor: 6,3-Liter-Achtzylinder, H-Schaftpleuel, Schmiedekolben, Eigenbau-Nockenwellen von Thomas Engelade, Brodix-Alu-Zylinderköpfe, MSD-Doppelfunken-Zündanlage, Holley-Vergaser, Racimex-Ölkühler, optimierte Ölpumpe
Leistung: 580 PS
Kraftübertragung: Halbautomatik THA 400 vom Bitter bzw. Corvette, Wandler T350 geändert, schaltet erst 1.000 Umdrehungen höher, Hinterachskorb vom Bitter bzw. Corvette mit Sperrdifferential 50 Prozent, Heckantrieb
Fahrwerk: KAW-Federn als Sonderanfertigung, Eigenbau-Domstreben, Tieferlegung um 95 mm vorne u. 70 mm hinten, Spurverbreiterung vorne u. hinten um je 20 mm
Felgen: Corvette C4 Modell 103 in 9,5 J x 17 Zoll ET 56 vorne u. 11 J x 17 Zoll ET 50 hinten
Bereifung: Yokohama 235/40-17 vorne u. Kumho Semi-Slicks 315/35-17 hinten
Bremsen: Bremsscheiben Pink Power mit 4-Kolben-Bremssätteln vom Audi S 5
Weitere Extras: Chrom-Radläufe
Interieur: Armaturenbrett mit Alcantara bezogen, Lenkrad Mad Mike, Drehzahlmesser mit Schaltlampe, originale Ledersitze
Danksagung an: meinen Vater Klaus Zimpel, Lackierer Heyroth, Motorbauer Thomas Engelade, Andreas Wiegel von KAW

Von: Text: Thomas Borowski Fotos: Heinz-Peter Keller

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